Rudi

Ich hatte ja lange keine Katzengeschichte mehr zu erzählen. Das hängt natürlich damit zusammen, dass hier nun des öfteren zwei Hunde zu Gast sind, und da verirren sich die Samtpfötchen nicht mehr so gerne in mein Heim. Auch in Schweden, wo ich öfter noch bin, begegne ich öfter Hunden als Katzen. Doch vor kurzem passierte mal wieder etwas, das ich für erzählenswert halte.

Es begab sich, als meine Frau im Garten arbeitete, dass ein zartes „Miee“ zu hören war. Ein grauweißes Fellknäuel schlich sich an und wickelte sich um ihre Beine. Völlig unbeeindruckt von dem für sie sicher deutlich wahrnehmbaren Hundegeruch untersuchte sie zunächst den Garten, um dann etwas später zielstrebig durch die Haustür nach innen zu streunen. Die Hunde waren nicht bei uns, so dass sie nicht auf Widerstand stieß.

Wie selbstverständlich rollte „Miee“, wie wir sie zunächst nannten, sich auf dem Sofa ein und schien auch keineswegs motiviert zu sein, über Nacht das Haus zu verlassen. So blieb sie ein paar Tage bei uns, bis wir sie dann hinauskomplimentieren mussten, da die Hunde wieder zu Besuch anstanden. Das hinderte sie jedoch nicht daran, des Abends wieder aufzutauchen, und mit einem zarten „Miee“ Einlass zu begehren. So gingen etwa zwei Wochen lang tagsüber die Hunde und Abends und Nachts „Miee“ ein und aus.

Eines Abends suchten wir „Miee“, und fanden sie nach einiger Zeit in dem Sack mit dem Hundefutter sitzend und schmausend. Das fragende „Miee?“ schien zu bedeuten, „Ist was? Ich esse doch nur!“ Der kleine Frechdachs versuchte es in der Folge immer wieder, so dass wir uns entschlossen, etwas Katzenfutter zu besorgen. Das wurde nicht nur begeistert angenommen, sondern auch fortan allabendlich eingefordert! Unverschämtes Kuscheltier, sowas aber auch!

Natürlich fragten wir uns, wer sie denn sein könnte. Das weiche und gepflegte Fell und auch die Zutraulichkeit deuteten nicht auf eine Straßenkatze hin, so dass sie eigentlich nur aus der Nachbarschaft stammen konnte. Doch wir hörten nichts von einem verlorenen Kätzchen. Ein ausgeliehenes Chip-Lesegerät offenbarte dann eine Nummer, die mittels der Tasso-Datenbank auch tatsächlich eine Identität offenbarte. Rudi heißt also der kleine Fellball und es war ein Kater. Ich gab unsere Kontaktdaten ein und kurz darauf meldete sich sein Frauchen. Sie wohnte tatsächlich nur wenige Häuser weiter, und Rudi war ein Freigänger. Dank einer Katzenklappe konnte er so viel herumstreunen wie er wollte, weswegen er auch keineswegs vermisst wurde.

Mit Beginn unseres Kurzbesuchs in Schweden war dann auch dieses kurze Katzenabenteuer leider vorläufig beendet. Über das gelegentliche „Miee“ hinaus kam manchmal noch ein „Mrraaauuuu“ zustande, aber insgesamt war Rudi nicht besonders mitteilsam. Über Rotbart habe ich daher diesmal leider nichts erfahren, das ich euch berichten könnte. Aber vielleicht kommt Rudi ja nochmal zu uns, dann werde ich ihn danach fragen. Manch ein Reisender braucht vielleicht erst etwas Ermunterung, bevor er gesprächiger wird.

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