Gedanken zum Umweltschutz

Berg, Tal und WolkenIch halte Umweltschutz für sinnvoll und begrüße es, dass die öffentliche Meinung inzwischen wieder verstärkt dafür sensibilisiert ist. Ich bin jedoch auch der Meinung, dass manche Leute es ein wenig übertreiben, vorsichtig gesprochen. Können wir uns denn nicht einfach mal bemühen, eine Lösung zu finden, die sinnvoll ist und allen gerecht wird?

Ich bin von meinen Eltern dazu erzogen worden, Müll nicht auf die Straße zu werfen, sondern in einen Mülleimer. Allerdings befand sich in meiner Kindheit auch an zahlreichen Laternenpfählen jeweils ein öffentlicher Mülleimer. So musste ich das Kaugummipapier nicht bis nach Hause oder in die Schule tragen, sondern konnte es nach ein paar Schritten ordnungsgemäß entsorgen. Und wenn es mal etwas länger dauerte, bis ich einen Mülleimer fand, das Kaugummi gleich mit. So etwas wirft man nicht auf den Bürgersteig und erst recht nicht in die Natur! Heute heißt es statt dessen eher „Ich geh‘ meilenweit für einen Mülleimer!“, was die sofortige Entsorgung am Wegesrand nicht rechtfertigt, aber verständlich macht.

Ich bin ebenfalls von meinen Eltern dazu erzogen worden, das Licht auszumachen, wenn ich einen Raum verlasse und für längere Zeit nicht betreten möchte. Das beherzige ich heute immer noch, indem ich automatisch auch im Büro an die Decke schaue. Oft genug fällt mir dann (und nur dann) auf, dass zwar von draußen die Sonne herein scheint, das elektrische Licht aber ebenfalls in voller Schönheit strahlt. Das ist völlig unnötig, also schalte ich es aus. Es ist zwar nicht mein Strom, aber ich mag halt keine Verschwendung. Die Blicke der Kollegen hingegen sind sowohl irritiert, als auch (wiederum mich) irritierend. Fast so, als ob es ein gesellschaftlicher Affront sei, das Licht auszumachen.

Letzteres gilt auch für das Flurlicht in Bürogebäuden. Auch wenn der Designer so etwas wie ein Oberlicht im Sinn hatte, und es noch so hübsch und luftig aussieht, es sind halt große LED-Flächen, die alles andere als luftig sind. Diese verbrauchen auch dann Strom, wenn die Sonne mit ihrer natürlichen Strahlkraft problemlos auch bis in den längsten Gang hinein reicht. Man könnte es also ausmachen. Wenn die üblichen „Sicherheitsgründe“ angeführt werden, täte es vielleicht ein Dämmerungsschalter. Doch was, wenn der Designer das alles nicht vorgesehen hat? Wenn es nur die zwei Stufen „hell“ und „aber so richtig hell“ gibt? Dann kommt es schon mal vor, dass die einmalige (!) Änderung der Schaltung gegen die dauerhafte (!) Energieeinsparung in der Form abgewogen wird, dass man ernsthaft behauptet, „das rentiert sich nicht“. Das haut einen echt vom Hocker!

Na gut, könnte ich sagen, ist ja nicht mein Geld. Aber irgendwie stört es mich doch.

Wasserfall (Langzeitbelichtung)

Extremisten

Das andere Extrem sind die, die jetzt sofort irgend eine Änderung einfordern. Nie wieder fliegen, denn das Kerosin vergiftet die Atmosphäre. Kein Mallorca, kein Kreta, keine Malediven, denn Urlaub kann man schließlich auch zu Hause machen. Da reicht gefälligst der private Pool, es muss kein Robinson-Club mit professionellem Animateur sein.

Nie wieder Autofahren, vor allem keinen Diesel, denn das vergiftet die Atmosphäre. Es gibt doch auch die „Öffis“, die sind sowieso effizienter, denn „statt diesem Bus könnten auch 100 PKWs vor ihnen her fahren“, wie es auf einem Bus mal aufgedruckt stand. Stimmt, so gesehen wäre das recht nervig, das kostet mich mindestens 5 Ampelphasen! Allerdings fährt der Bus auch mit Diesel und lässt manchmal sogar 1/4 Stunde an einer Haltestelle sinnlos den Motor laufen.

Keine Milch aus der Tüte mehr, denn das ist Verbundmaterial und schwer zu recyceln, und außerdem produzieren die Kühe im Stall zu viel Methan und CO2, das steigert den Treibhauseffekt.

Kein Fleisch mehr, denn Salat reicht auch zum satt werden. Und außerdem produzieren die Kühe im Stall zu viel Methan und CO2, das steigert den Treibhauseffekt.

Am besten sollten wir nur noch per Pedes oder Pedal unterwegs sein, das verlangen sie. Das klingt ähnlich wie die Sprüche der Ultra-Linken in den 70er Jahren: „KAPITALISMUS ABSCHAFFEN! JETZT!“. Vor allem dieses „JETZT!“ am Ende, sollte die Dringlichkeit betonen, war am Ende aber nur noch nervig.

Damals wie heute hat man allerdings den Eindruck, dass die Abkehr von allem Luxus primär von Leuten ausgeht, die sich diesen Luxus ohnehin nicht leisten können. Da fordert es sich natürlich leicht, Verzicht zu üben. Doch in Wahrheit ist es vielleicht nur Neid, zumindest betreffs dieser Extremhaltung „jetzt sofort und keine Widerrede“.

Dass künstliche Gleichmacherei jede Motivation zur Mehrleistung tötet, ist wohl niemandem klar, der vehement das bedingungslose Grundgehalt fordert. Der „real existierende Sozialismus“ hat zumindest bewiesen, dass George Orwell recht damit hatte, dass einige Tiere doch immer gleicher sind als alle anderen. Das Ende der Farm ist uns allen nur zu bekannt.

Mittelwege

Wie könnte ein Mittelweg aussehen, der zugleich Natur und Umwelt schützt (oder wenigstens um die Belastungen erleichtert) und die Menschheit nicht von heute auf morgen zurück in die Steinzeit katapultiert?

In diesem Zusammenhang habe ich das YouTube-Video Spieltheorie des Lebens | Tragödie des Gemeinguts gefunden. Mai Thi beschreibt darin sehr anschaulich die Mechanismen, die dazu führen, dass wir uns lieber egoistisch verhalten als an das Gemeingut zu denken. Wenn, so sagt sie, die Spielregeln letztlich egoistisches Verhalten belohnen anstatt es sinnlos erscheinen zu lassen, dann ist das Ergebnis kein Wunder.

Das erinnert mich an eine Änderung im Straßenverkehr, die vor vielen Jahren mal eingeführt wurde. Es wurde nach meiner Kenntnis nicht darüber gesprochen oder berichtet, aber das Konzept ist so genial wie einfach. Irgendwann ist es mir halt mal aufgefallen. Es geht dabei um die Verkehrsregelung im Bereich einer Autobahnabfahrt. Vor dieser Änderung war es so, dass von der Autobahn abfahrende Fahrzeuge zunächst mit dem auffahrenden konkurrieren mussten, bevor sie endgültig z.B. auf eine Landstraße ausfahren konnten. Diese Konkurrenzsituation erzeugte an der Stelle immer Stress, und das ist im Verkehr niemals gut.

Die neue Regelung führt die auffahrende Spur zunächst vielleicht 50-100 Meter parallel zu der ausfahrenden, so dass beide Fahrzeuge sich auf dieser Strecke einigen und einigermaßen stressfrei die Spur wechseln konnten. Das Besondere daran ist jedoch: Wenn zwei Fahrer gleichauf fahren und beide auf ihrem Recht bestehen, in der Spur zu bleiben, dann verlieren beide. Der von der Autobahn abfahrende muss wieder auf dieselbe Autobahn auffahren, und der andere, der auf die Autobahn auffahren will, muss dann wieder zurück auf die Landstraße fahren. So wurde völlig ohne Schilder und Ampeln die Situation geschaffen, dass beide aufeinander Rücksicht nehmen müssen. Wenn sie das tun, gewinnen beide. Genial, oder?

Zwar hat dieses Beispiel wenig mit Naturschutz zu tun, aber es zeigt meines Erachtens sehr gut, wie durch das Schaffen einer passiven Situation alle Beteiligten sich gezwungen fühlen, aufeinander zu achten. Schön wäre es, wenn wir das auch mit der Natur hinbekommen würden, weil eine Situation eintritt, in der wir einsehen, dass bestimmte Verhaltensweisen besser sind (und uns Vorteile bringen) als andere.

Wenn zum Beispiel der öffentliche Nahverkehr sehr günstig und zeit- und flächendeckend gut verfügbar wäre und statt dessen Parkplätze in der Innenstadt rar gesäht wären, dann würden sicher viele Leute freiwillig auf Öffis umsteigen. Würde man zudem noch eine Reservierungspflicht für Parkplätze im Innenstadtbereich einführen, dann könnte z.B. ein Großeinkauf mit dem PKW geplant werden, aber mal eben schnell in’s Kaufhaus mit dem Auto würde dann schon an der erforderlichen Vorlaufzeit scheitern.

Wenn zum Beispiel Kerosin für Inlandsflüge stark besteuert würde, aber statt dessen der Bahn-Fernverkehr begünstigt, dann würden vermutlich einige Leute lieber Bahn fahren als zu fliegen. Wenn zusätzlich durch die DB noch die Sache mit dem Gepäck kostengünstig und bequem geregelt würde, käme dies zusätzlich als Pluspunkt auf die Liste.

Wenn wieder mehr Nachtzüge fahren würden und in Kombination mit dem Ticket ein Mietwagen vor Ort günstig zu haben wäre, dann könnte man von Hamburg nach Wien fahren, dort entspannt ankommen und mit dem Auto in der Region dennoch flexibel sein. Und man würde vielleicht darauf verzichten, ein fast leeres Auto über fast 1000 km Autobahn zu transportieren.

Wenn zum Beispiel, wie Telepolis schreibt, kurzgeschorener Rasen peinlich werden soll, dann könnten sich durch diesen gesellschaftlichen Druck vielleicht viele Gartenbesitzer motiviert fühlen, Wildblumen und damit Insekten eine Chance zu geben. Es muss nicht immer ein gepflegter Englischer Rasen oder sogar ein japanischer Steingarten sein.

Es wird doch immer wieder gefordert, Deutschland solle bunt sein. Warum dann nicht auch im Vorgarten?

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