Überflieger

Die Welt sieht ganz anders aus, wenn man sie aus einer ungewohnten Perspektive betrachtet. „Alles was uns groß und wichtig erscheint, wird plötzlich nichtig und klein.“ Weise Worte von einem „Liedermacher“, wie sie damals wohl genannt wurden. Reinhard Mey ist sicher den meisten noch bekannt, und sein „Über den Wolken“ lässt mich ein wenig nachempfinden, wie man sich da oben wohl fühlen muss.

Regeln

Allerdings stimmt eines nicht so ganz: Über den Wolken darf ich mit meiner kleinen Drohne leider nicht fliegen. Denn die Regel, nur auf Sicht zu fliegen, würde dies nur zulassen, wenn ich mich ebenfalls über den Wolken befinden würde, und zudem diese auch noch deutlich weniger als 120 m vom Erdboden entfernt wären. Denn das ist eine weitere Regel: Höher darf ich nicht fliegen, jedenfalls nicht ohne Erlaubnis. Wenn ich schon gleich mit den Regeln anfange, wird sich der eine oder andere sicher fragen, „wieso macht er das dann überhaupt, wenn doch alles verboten ist, was Spaß macht“. Ja, stimmt, ich selbst habe mich das auch gefragt, nachdem ich mich ein wenig damit beschäftigt hatte. Doch inzwischen sieht das alles für mich gar nicht mehr so schlimm aus, wie es anfangs klang.

Pilotenschein nicht erforderlich

Zunächst braucht man gottseidank keinen „Schein“, um diese kleinen Dinger zu fliegen. Zumindest nicht, wenn das Startgewicht unter 250 g liegt. „Startgewicht“ ist das Gewicht, das die Dinger haben, wenn sie abheben. Vergleichbar dem „tatsächlichen Gewicht“ beim Auto, also nicht das „zulässige Gesamtgewicht“. Unter 250 g (und mit einigen weiteren Auflagen) dürfen Drohnen ohne Kenntnisnachweis (so die offizielle Bezeichnung) geflogen werden. Dennoch ist es empfehlenswert, sich ein wenig mit den Regeln vertraut zu machen. Dazu reicht ein YouTube-Studium von wenigen Tagen, während dessen man einfach alle möglichen Videos schaut, die sich mit dem neuen Regelsystem beschäftigen. Jeder Autor erklärt etwas anderes, und jeder erklärt es auf seine ganz eigene Weise. Alles zusammen ergibt einen schönen Überblick, der vielleicht immer noch nicht vollständig ist und sicher keinen echten Pilotenkurs ersetzt, aber das muss ja auch nicht sein.

Das tat ich. Nicht weil ich musste, denn ich musste ja nicht, sondern einfach weil es mich interessiert hat. Und im zweiten Schritt machte ich dann den Schein, den ich nicht machen musste, trotzdem. Auch das war sehr einfach. Ich ging einfach auf die Website https://lba-openuav.de/ und klickte mich durch. Neben ein paar erklärenden Texten zum Prozedere gliedert sich der „Kurs“ in drei Teile: Lernen, Trainieren, Prüfung machen.

In „Lernen“ wird nochmal alles in Schrift, Bild und gesprochenem Text erklärt, illustriert mit informativen Skizzen und Fotos. „Trainieren“ bedeutet quasi, den Test („multiple-choice“) testweise mal zu machen. Dabei bekomme ich sofort Feedback und lerne sozusagen aus meinen eigenen Fehlern. Aber auch der letzte Teil bedeutet dann keineswegs Stress, denn der echte Test (ebenfalls „multiple-choice“) ist nur etwas umfangreicher als der Test-Test, und natürlich entfällt das sofortige Feedback. Am Ende hat man dann entweder bestanden oder nicht.

Ein Problem ist aber auch das Durchfallen nicht, denn erstens ist das alles noch kostenlos, und zweitens kann und darf man beide Tests so oft wiederholen wie man will. Natürlich werden immer mal andere Fragen gestellt, und auch die Antworten sind in anderer Reihenfolge angeordnet, aber ein Problem ist das eigentlich nicht.

Alleinflug

„Wind Nordost, Startbahn Null-Drei“ … na, so kompliziert ist das gottseidank nicht. Ich muss nicht zum Flughafen fahren, um mit der Drohne abzuheben. Das geht zur Not sogar im eigenen Vorgarten, besser jedoch erst einmal auf freiem Feld. Mit genügend Platz drumherum kann man so schnell nichts verkehrt machen. Idealerweise ist auch kein weiterer Mensch in der Nähe, so dass der einzige, der im schlimmsten Fall gefährdet ist, ich selbst bin.

Aber auch dies ist wahrlich nicht so schlimm wie es klingt. Starten und Landen kann die kleine Hummel nämlich ganz von selbst, und dazwischen ist der Umgang mit den beiden Steuerknüppeln auch nicht so schwierig. Mit dem linken fliegt man hoch und runter bzw. dreht den Kopter links oder rechts herum. Der rechte Knüppel fliegt vorwärts, rückwärts und seitwärts. Das geht schnell. Lustig wird’s nur, wenn die Drohne auf mich zu fliegt, denn dann muss ich rechts und links im Kopf vertauschen! Das geht nicht ganz so schnell, aber im Laufe der Zeit gewöhnt man sich auch daran.

Vogelperspektive

Doch genug der grauen Theorie, los geht’s :-) In meiner Playlist Drohnenvideos auf YouTube habe ich ein wenig davon zusammengestellt. Die Playlist wird ständig erweitert, also lasst gern mal ein Abo da. Und jetzt biel Spaß beim Schauen!

Stadt und Land aus der Luft

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