GDT-Naturfotograf des Jahres 2013

Was früher noch wie ein Märchen klang, ist heute Wirklichkeit geworden. Dies hier ist leider kein Märchen von Übermorgen, sondern hartes Faktum von heute. Viele der aktuellen Siegerbilder der GDT wären vor einigen Jahren wohl rundheraus abgelehnt worden. Unscharf, nichts erkennbar, ungeeignet. Aber inzwischen sind Wischer und Unschärfe offenbar gut.

Die GDT (Gesellschaft deutscher Tierfotografen) hat gewählt und präsentiert nun die Siegerbilder des diesjährigen Wettbewerbs zum „Naturfotografen des Jahres“. Dabei gibt es in dieser Aufstellung kaum ein wirklich scharfes Bild.  Selbst das Portrait des Gesamtsiegers glänzt durch Unschärfe. Ist das wirklich gut?

Aber bleiben wir auf dem Teppich! Fotografie ist ein Stück weit auch Kunst, ebenso wie sie Handwerk ist. Vielleicht lässt sich das nicht so einfach voneinander trennen, jedenfalls nicht mit einem technisch-trockenen Regelwerk. Ich selbst bin ja derjenige, der immer wieder darauf besteht, Regeln auch mal zu brechen. Es muss nicht immer der Goldene Schnitt sein, Zentralperspektive kann manchmal genauso gut oder sogar besser wirken. Auch Unschärfe, gezielt eingesetzt, hat ihren Reiz. Aber nur noch?

Schauen wir mal auf Platz 7 in „Säugetiere“. Dass der Himmel verwaschene Formen hat, ist absolut verständlich. Weder dem Himmel noch Carsten Ott kann man hier einen Vorwurf machen. Die Büsche am Boden sind auch hinreichend uninteresssant, da reden wir nicht über Schärfe. Aber wieso sind die Konturen der beiden Tiere ebenso unscharf? Solche Aufnahmen wirken auf mich wie versehentlich geschossen, „ups … Autofokus vergessen“. Oder die Rothirschkuh (Platz 9). Klare Konturen könnten es sein. Aber nein. Am Ende dann vermutlich die Rechtfertigung „ich wollte das so“.

Vielleicht ist es auch eine „Vision“. Und wenn man dieses Wort einfach mal englisch ausspricht, wird daraus so etwas wie „Wischion“. Richtig ausgesprochen klingt es wirklich wie das deutsche Wort „Wischen“.

Oder es ist alles nur ein Missverständnis gewesen. Dass jemand mal gesagt hat „… photos shall show a vision …“ und verstanden wurde „Fotos sollen schon wischen“.

Aber nicht alle „Visions“ sind negativ. Nehmen wir Platz 8 aus der Kategorie „Vögel“ von Thomas Götzfried. Man muss schon zweimal hinschauen, um den „Silberreiher im Nebel“ wirklich zu sehen. Zuallererst dachte ich an einen technischen Fehler. Aber weit gefehlt! Von all den unscharfen und schwer erkennbaren Fotos ist dieses auf jeden Fall mein persönlicher Favorit. Weil hier meiner Ansicht nach die Vision Wirklichkeit geworden ist, „a real vision“. Das wäre mein Siegerbild gewesen.

Aber auf mich hört ja keiner.

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