Gedanken zur Teamarbeit

Er kann gut fotografieren, ist ein brillanter Sprecher, außerdem der perfekte Moderator und kennt sich hervorragend mit Technik aus. Er hat ein umfangreiches Musikarchiv, spricht 3 Sprachen fließend und akzentfrei und ist zu allem Überfluss auch noch Marketingprofi, um die erstellte Diaschau auch gewinnbringend an den Mann zu bringen. Oder an die Frau.

Na, was ist? Den kennt Ihr nicht? Das ist aber komisch. Ich dachte schon, alle würden jetzt „HIER!“ rufen.

Na gut, dann nochmal von vorn (langsam und mit tiefer Stimme gesprochen und mit etwas Hall unterlegt): „Wer bist du? – „Was willst du?“ – „Wohin gehst du?“ – „Wem dienst du und wem traust du?“ Nicht dass ich diese Fragen erfunden hätte. Einige Menschen stellen sie sich vermutlich schon länger, und das auch nicht erst seit sie in dem Vorspann der Serie „Crusader“ (Spin-off von „Babylon 5“) vorkamen. Im Sinne dieses Blogbeitrages sollte die Frage aber wohl eher lauten: „Was kannst du?“

Wie ich vor kurzem hier geschrieben hatte gibt es Leute, die eine erkleckliche Anzahl an guten Diashows (Diaschauen?) zu Wege gebracht haben. Jetzt ist das aber nicht ganz so einfach, wie man sich das als Betrachter vielleicht vorstellt. Ich hatte kürzlich einen Link zu einer Schau auf Youtube bekommen. Nun will ich durchaus nicht behaupten, dies (Diaschauen zu machen) besonders gut zu können, schon gar nicht „besser“ (in welcher Hinsicht so ein Vergleich auch immer zu interpretieren wäre). Aber auch als Noch-Anfänger auf diesem Gebiet hatte ich doch einiges zu bemängeln. Allen denen, die jetzt den üblichen Ruf „Mach’s doch erstmal besser, bevor du meckerst!“ anstimmen wollen, sei hiermit die Frage mit auf den Weg gegeben, ob sie sich schon jemals über logische Fehler in einem Kino-Film aufgeregt haben. Oder über einen Schreibfehler auf einem Werbeplakat (oder einem Blog-Eintrag, denn Kinofilm und Blogeintrag schreibt man neuerdings zusammen). Oder über Fehlentscheidungen der Politik. Auch der Zuhörer im Konzertsaal würde hören, wenn sich der Künstler verspielt, ohne dass er es auch nur annähernd so gut könnte. (Außer vielleicht bei 12-Ton-Musik, denn da klingt für mich alles wie verspielt.)

So, zurück zum Thema. Unter dem Titel „The Mystery of Sweden“ hatte jemand offenbar seine Fotosammlung online gestellt. Etwas Musik durfte natürlich nicht fehlen, und weil die simple Formel „Schweden = ABBA“ natürlich immer noch gilt, fängt die Schau auch gleich mit „Super Trouper“ an. Voll geil, ey. Passt wunderbar zu Landschaftsaufnahmen aus Schweden. Da ist man fast geblendet von soviel Einfallsreichtum. Vielleicht lag das aber auch nur an der ersten Textzeile: „Super Trouper beams are gonna blind me but I won’t feel blue …“ Oder an den „kreativen“ Bildüberblendungen nach der Faustregel „Zufall ist Absicht“.

Anstatt nun in einen endgültigen Verriss dieser Schau einzusteigen möchte ich anhand dieses Beispiels ein paar Dinge aufzeigen. Die obige Frage soll daher in einer etwas veränderten Variante wiederholt werden:

Was müsste man alles können, um eine gute Diaschau herstellen zu können?

Aus meiner ganz subjektiven Sicht zähle ich einfach mal auf:

  • Handlung / Geschichte festlegen
  • Fotos machen
  • themengebundene Fotoauswahl
  • Fotos bearbeiten
  • Zusammenstellung (Reihenfolge) der Fotos
  • Zusammenstellung der Informationen
  • Sprechertext schreiben
  • Text einsprechen
  • Musik auswählen
  • Bildüberblendungen (passend zur Musik und zum Text)
  • Bilduntertitel planen und einsetzen
  • Schau probeweise einem kleinen Publikum zeigen
  • technische Nachbearbeitungen
  • Vermarktung bzw. Verteilung

Ein erfahrener Diaschau-Spezialist könnte dieser kleinen Liste vermutlich noch umfangreiche Ergänzungen hinzufügen. Nehmen wir diese wenigen Punkte und schauen mal, wen man so alles braucht:

  • Fotograf
  • Bildbearbeiter
  • Schriftsteller
  • einen oder mehrere Sprecher
  • Musikredakteur
  • Bildschneider (oder wie nennt man die, die den Bildschnitt machen?)
  • möglichst ehrliches Testpublikum
  • Marketingfachmann

Alternativ sind neben den männlichen Varianten natürlich auch die weiblichen Variantinnen willkommen. Das sind schonmal eine ganze Menge Spezialisten, und wenn man beim Film wäre, dann wären das auch wirklich ganz verschiedene Leute, und teilweise sogar mehrere.

Und wir Amateure glauben ernsthaft, das kriegen wir alles allein hin?

Viel Spaß 🙂

P.S.: Die im weiteren Verlauf der oben verrissenen Schau noch folgende Einspielung aus der Peer-Gynt-Suite hingegen passt meiner Ansicht nach ganz hervorragend!

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