Paketchaos

Es ist irgendwie verständlich, dass es vor den Feiertagen zu einem gewissen Chaos kommt, vor Weihnachten ganz besonders. Menschen laufen in Scharen in die Lebensmittelgeschäfte und decken sich für die schweren Zeiten mit dem Notwendigsten ein. Immerhin machen die Geschäfte ab Ende der Woche für zweieinhalb Tage nicht mehr auf! Das ist ja wie im Krieg! Weißt du noch, damals …

Auch Post und Paketdienste haben erfahrungsgemäß in diesen Tagen mehr zu tun als sonst. Ob die Zusteller für dieses Mehr an Leistung auch ein Mehr an Geld bekommen, weiß ich nicht. Es ist zu hoffen, denn einfach ist der Job sicher nicht. FAKENEWS SATIRE AN Damit meine ich nicht, dass es eventuell zu kompliziert sein könnte, eine Adresse zu finden, auf den Klingelknopf zu drücken und zu warten, bis jemand aufmacht. Ich meine rein körperlich. Es ist schon anstrengend, immer hinter dem Busch zu warten, bis wirklich niemand in der Wohnung ist, um dann schnell zum Briefkasten zu rennen und die vorbereitete Karte einzuwerfen. Und dann natürlich nix wie weg, bevor der Kunde aus der Tür gestürzt kommt. SATIRE AUS

Aber Scherz beiseite (ich hoffe, ihr erkennt an, dass ich keine Namen genannt habe!), da gibt es ja diese Packstation. Wie herrlich einfach ist es, ein Paket einfach dorthin liefern zu lassen. Wenn es bereit liegt, kommt eine SMS, und dann kann ich irgendwann in den nächsten Tagen, wenn es mal passt, dort hin fahren und das Paket abholen. Tolle Idee, aber naturgemäß mit begrenztem Fassungsvermögen ausgestattet.

Wie in meinem Fall, da lautete die SMS nämlich:

Hallo, es liegt für Sie ab nächsten Werktag 11 h eine Sendung in der FILIALE in . Ihr DHL Team.

Natürlich war <Adresse> korrekt ausgefüllt und schnell zu finden. Eine Filiale (was man so nennt), keine Packstation. Die Großbuchstaben sollten wohl auf die Abweichung hinweisen. Dass es sich dabei um ein kleines Reformhaus handelt, das mit Paketen überhäuft wurde, merkte ich erst, als ich es zum ersten mal besuchte. Das war deutlich nach 11 Uhr am besagten „nächsten Werktag“. Die Schlange schlängelte sich quer durch den Laden und reichte fast bis zum Bürgersteig.

Nun ist ein Reformhaus natürlich keine Packstation und im Gegensatz zu jener dankenswerterweise beheizt, was die gefühlte halbe Stunde des langsamen Vorrückens der Schlange erträglich machte. Den Gesprächen der Leute zu lauschen hatte ebenfalls einen gewissen Unterhaltungscharakter, so dass ich mich bis dahin nicht ärgern musste. Doch wo üblicherweise die goldene Karte und eine per SMS geschickte PIN reicht, war hier zunächst ein Personalausweis erforderlich. Gut, dass ich diesen dabei hatte. Leider war das Paket entgegen der SMS doch nicht in der Filiale angekommen, so dass ich unverrichteter Dinge wieder abziehen musste. Gegen Hinterlassung meiner Telefonnummer versicherte man mir, mich anzurufen, wenn das Paket eingetroffen sei.

Das geschah am darauf folgenden Tag. Am nächsten Nachmittag dann wieder hin, wieder eine Schlange, wieder hochinteressante Gespräche, und dann das Wunder: Das Paket ist tatsächlich da! Dummerweise an meine Frau adressiert, ein echtes Dilemma.

Denn die Packstation ist ein Computer, und der interessiert sich nicht die Bohne für Papierkram. Aber Menschen, die haben sich weiter entwickelt. Die brauchen Zettel, sonst geht da gar nichts. Schon der Packstation-Code ist für den Homo Sapiens zu viel verlangt, so zwei vier- bis achtstellige Zahlenreihen kann ja niemand mit einander vergleichen. Daher braucht es einen Ausweis, auf dem ein Name steht. Und der muss stimmen, da wird auch die kleinste Abweichung zu einem Problem! Aus diesem Grunde führte leider die Tatsache, dass fast alles, also Nachname, Straße, Hausnummer, Postleitzahl und Ort übereinstimmte, erneut zu einer Ablehnung. Denn der Vorname stimmte leider nicht. Diesmal hätte ich noch eine Vollmacht meiner Frau mitbringen müssen, die der typische Beamte natürlich erst in dem Moment einfordert, wo es keine Möglichkeit mehr gibt, vorzusorgen. Es ist heutzutage offenbar total ungewöhnlich, dass Männer in meinem Alter mit ihrer Frau zusammen wohnen. Kann ja keiner mit rechnen!

Nachher geht meine Frau wieder hin. Ich warte schon darauf, dass ihr das Paket ebenfalls verweigert wird, weil sie ja keine Paketkarte vorweisen konnte. Das konnte ich zwar ebenfalls nicht, aber soweit waren wir vor Ort ja noch nicht gekommen. Die SMS, die ich bekommen hatte (das ungewöhnliche: sie war nicht unterschrieben!), befindet sich auf meinem Smartphone, nicht auf dem meiner Frau. Ob das ein Problem sein wird?

Bei Kishon hätten wir ein paar Buchseiten weiter sicher inzwischen die gesamte Großfamilie im Laden versammelt, bis nach einem halben Jahr Vorbereitung und fünfstündiger angeregter Diskussion dann endlich das Paket feierlich übergeben worden wäre. Und alle lebten glücklich und zufrieden bis an’s Ende ihrer Tage.

Nicht.

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