Archiv für

Januar, 2007

...

Vom Lernen und Lehren

kein kommentar

Von einem Freund bekam ich gerade diesen Text zugeschickt. Da hat wohl mal einer gelernt, dass man Schüler für den Lehrstoff motivieren soll. Auch wenn ich weiß, dass es nur gut gemeint war, ist dieser Text doch ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man Lernwilligkeit durch zu viel motivatorischen Eifer allzu leicht zerstören kann.

Die Mail kam mit dem Betreff “Erkennungsmerkmale eines Schlaganfalls”, was zunächst mal ja ernst klingt und sicher auch ernst genommen wird. Sie beginnt erstmal mit einer Geschichte:

Während gegrillt wurde, stolperte Ingrid und fiel hin. Man bot ihr an, einen Krankenwagen zu rufen, doch sie versicherte allen, dass sie OK sei und sie nur wegen ihrer neuen Schuhe über einen Stein gestolpert war.

Weil sie ein wenig blass und zittrig wirkte, half man ihr, sich zu säubern und brachte ihr einen neuen Teller mit Essen. Ingrid verbrachte den Rest des Abends heiter und fröhlich.

Ingrids Ehemann rief später an und ließ alle wissen, dass seine Frau ins Krankenhaus gebracht worden war.

Um 23.00 Uhr verstarb Ingrid. Sie hatte beim Grillen einen Schlaganfall erlitten.

Klar, ich war betroffen und wollte unbedingt wissen, was ich dagegen tun kann, wie ich helfen kann. Darin werde ich dann noch bestätigt:

Hätten die Anwesenden gewusst, wie man die Zeichen eines Schlaganfalls deuten kann, könnte Ingrid noch leben.

Gut, jetzt aber los, her mit den entscheidenden Tipps!

Es dauert nur eine Minute, das Folgende zu lesen…

Ja, gut, die habe ich sicher noch übrig. Also komm …

Ein Neurologe sagte, die Kunst wäre, einen Schlaganfall zu erkennen, zu diagnostizieren und den Patienten innerhalb von 3 Stunden zu behandeln, was allerdings nicht leicht sei.

Fängst du schon wieder an zu labern? Mach hin, sonst sind die 3 Stunden bald um!

Es gibt 4 Schritte, an die man sich halten sollte, um einen Schlaganfall zu erkennen. Lese und lerne!:

Aber ja doch! Los, zeigs mir, ich will es wissen!

Manchmal sind die Symptome eines Schlaganfalls sehr schwer zu erkennen. Das Schlaganfallopfer kann wirklich ernste Gehirnschäden davon tragen, wenn Leute, die in der Nähe sind, die Symptome eines Schlaganfalles nicht erkennen.

Nee, also echt, das hab ich doch nun langsam begriffen! Können wir nun endlich zur Sache kommen? Wenn der jetzt noch weiter nervt, lösche ich die Mail!

Nun sagen Ärzte, dass Umstehende einen Schlaganfall erkennen können, wenn sie vier einfache Fragen stellen:

- Bitte die Person, zu lächeln (geht das nicht = Lähmung)

Na endlich!

- Bitte die Person, einen ganz einfachen Satz zu sprechen, z.B.: “Es ist heute sehr schön.”

- Bitte die Person, beide Arme zu erheben.

- Bitte die Person, ihre Zunge heraus zu strecken. Wenn die Zunge gekrümmt ist und schief hängt, ist das ebenfalls ein Zeichen eines Schlaganfalls.

Falls die verunfallte Person Probleme mit einem dieser Schritte hat, ruf sofort den Notarzt und beschreibe die Symptome der Person am Telefon.

Na endlich! Das hat mir alles viel zu lange gedauert. Fast hätte ich das Interesse verloren!

Aber jetzt kommt der Kettenbriefteil, der mich motivieren soll, die Mail schleunigst weiterzuschicken. Ich hasse das (auch wenn das bei dem Thema einigermaßen ok ist).

Ein Kardiologe hat gesagt, dass, wenn man diese Mail an mindestens 10 Leute schickt, man sicher sein kann, dass irgend ein Leben dadurch gerettet werden kann.

Wir senden täglich so viel “Schrott” durch die Gegend, da können wir auch die Leitungen mal mit etwas Sinnvollem verstopfen, findet Ihr nicht auch???

“Verstopfen” und “Schrott” sind sicherlich die richtigen Stichworte für diese Mail. Sie verstopft die Gehirnwindungen mit unnötigem Schrott, der den Empfänger von dem eigentlich wichtigen ablenkt: Den 4 kurzen und entscheidenden Tipps, mit deren Hilfe man einen Schlaganfall rechtzeitig erkennen kann. Oder wer von euch kann sich noch an die 4 entscheidenden Tipps erinnern? Oder waren es 5?

Nun ist es passiert: Das neue Jahr ist da!

kein kommentar

Die Fete ist vorbei, alle hängen abgeschlafft in den Seilen. Das neue Jahr hat unwiderruflich angefangen, die Ladegeräte laufen heiß, und 1000 digitale Fotos von 3 wilden Knipsern und Knipserinnen wollen ausgesucht werden, denn jeder will natürlich eine CD mit den Highlights mit nach Hause nehmen. Ob man die jemals wieder anschaut, weiß ich nicht, aber im Digitalzeitalter gehört es doch irgendwie dazu. “Instant Photo” B)

Während der Feier gab’s schon mal eine Zwischenbilanz in Form einer Diaschau für den Fernseher. Das Programm mit dem fantastischen, kreativen, aber wenigstens selbsterklärenden Titel MAGIX Fotos auf CD und DVD 4.5 leistet dies mit recht wenig Aufwand: Die vorab ausgesuchten und in einem Verzeichnis zusammenkopierten Fotos werden in einem Rutsch dem Programm vorgeworfen, dieses macht daraus erstmal eine Sequenz mit vorgegebener Standzeit pro Dia und Überblendeffekten. Ein paar MP3-Files lassen sich bestimmt finden, das macht die Show fetziger und damit dient diese gleichzeitig als Unterbrechung des Feteneinerleis wie auch als Fortführung der Feier mit anderen Mitteln. “Instant Video” B)

Naja, nicht so ganz “instant”, immerhin rechnet der Rechner fast 1 Stunde daran, bis die DVD gebrannt ist. Dann aber ab in den Player, Fernseher an. Alles chillt down, und danach geht es mit frischer Kraft in die nächste Runde. Noch 4 Stunden bis Mitternacht! Man frotzelt: “Das Jahr geht aber auch nicht rum!”

Dann, endlich, eine Viertelstunde vor dem Showdown, der Hausherr geht mit konzentriertem Blick (es fällt ihm sichtlich schwer) durch alle Räume und macht eine Bestandsaufnahme aller Gäste. Wer liegt schon unter’m Tisch, wer steht noch hinreichend sicher auf den Beinen, um sich rechtzeitig einen Platz auf der Straße zu sichern, das gefüllte Sektglas in der Hand und bereit, auf Kommando anzustoßen? “Achtundzwanzig” lautet dann schließlich das Kommando in die Küche, wo fleißige Helfer hektisch Schränke und Spülmaschine plündern, um 28 Gläser aufzutreiben, koste was es wolle. Und wenn man spülen muss. “Instant Sektglas” B)

Während das Tablett mit den Gläsern noch vorbereitet wird, öffnet ein Verantwortlicher schonmal vorsorglich eine Reihe von Sektflaschen. Ein zweiter Verantwortlicher gesellt sich dazu, geteiltes Leid ist doppelte Freud. Natürlich muss man schnell mal probieren, ob der Sekt noch gut ist, schließlich will man ja keinen Schund anbieten. Selten werden notwendige Jobs bei einer Fete so begeistert freiwillig übernommen wie das Öffnen der Sektflaschen. Wenigstens einmal im Jahr darf man in Schicki-Micki-Manier die Korken knallen lassen. Wer fluppt am weitesten mit seinem Neujahrsgeschoss? Schade, dass es so dunkel ist. “Instant Plopping” B)

Dann endlich der Countdown im Fernseher, das Tablett geht herum, Hände füllen sich, und dann brüllt die Meute los, dass die Straße wiederhallt: “PROSIT NEUJAHR! Schkollll!” Ein weiterer Freiwilliger hat schon die Raketen vorbereitet und lässt pünktlich zum Synchron-Schrei die ersten Kracher losgehen. Wieder mal hat keiner daran gedacht, “statt Böller” lieber zu spenden. Es macht einfach zu viel Spaß. “Instant Kracher” B)

Alles fällt sich in die Arme, mal mehr, mal weniger herzlich werden die üblichen Floskeln ausgetauscht, Küsschen, Stößchen, links und rechts, alles Leid vergessen, in den Sekunden zwischen der Zeitrechnung, wo selbst Atomuhren vergessen weiterzugehen. Die werden dann, wenn alles noch schläft, heimlich korrigiert. “Instant Timing” B)

Und was ist nun mit 2007? Wird es schlechter? Wird es besser? Oder nur anders? Wie war es vor einem Jahr, wer kennt noch seine guten Vorsätze von damals? Wen interessieren die heute noch?

Aber die alten Probleme, die sind schneller da, als man sie vergessen könnte. Nichts löst sich von selbst, und wenn, dann auf eine ganz unerwartete und meistens auch unwillkommene Weise. Wir werden also doch wieder was tun müssen. Aber nicht mehr heute. Wenn die CDs fertig sind, gehe ich ganz früh schlafen. Ein guter Vorsatz, wenigstens für diesen einen Tag. )-o